Donnerstag, 2. September 2010

Festmacherboot "Charly"



Hier berichte ich über den kompletten Neuaufbau des Festmacherbootes "Mark". Bei mir wird das Boot jedoch "Charly" heissen. Mark geht ja mal gar nicht für ein Boot. Aber die Festmacherboote im Hamburger Hafen tragen auch alle Männernamen wie "Henri" oder "Hans", daher fand ich "Charly" passend. Einen näheren Hintergrund gibt es zu dem Namen jedoch nicht.

Was ist eigentlich ein Festmacherboot? Diese kleinen und wendigen Boote nehmen in großen Häfen die Taue von sehr großen Schiffen auf und überbringen sie zum Festmachen an Land, denn diese Taue sind so schwer, daß man die nicht einfach rüberwerfen kann. Damit bei dieser Arbeit der Schiffsaufbau von den massiven Tauen nicht beschädigt wird, ist dieser normalerweise von einer Art Überrollbügel geschützt. Zuweilen werden auch keine Schleppaufgaben übernommen, weswegen meist ein Schleppgeschirr mit an Bord ist.

Das Modell welches lt. meinen Informationen von Robbe seit 1995 nicht mehr vertrieben wird, gefiel mir aufgrund seiner Optik und ich erhoffte mir, ein gutes, wendiges Boot für die Wettbewerbe in der F4a-Klasse bei NAVIGA Regatten zu bekommen. Ich habe einen angefangenen alten Baukasten, den ich einmal günstig erstanden hatte.

Nachdem ich mich ja in Schiffsmodell.net Forum nach dem Böötchen erkundigt habe und wenig Vertrauen erweckende Antworten zur "Performance" des "Mark" erhielt, habe ich mich entschlossen das Teil komplett neu aufzubauen. Ich vermute, Robbe hat das Boot aufgrund einiger recht schwerwiegender Konstruktionsmängel aus dem Programm genommen. Viele ehemalige Eigner berichteten von abenteuerlichem Fahrverhalten und Kenterungen des Modells. Vielleicht ein Grund, warum man dieses Modell kaum noch antrifft.

Das bereits eingeklebte Zwischendeck lag genau auf der Wasserlinie. Der Motor das ganze RC-Zeugs und der dafür vorgesehene Bleiakku hätten entsprechend der Vorhersehung von Robbe also über der Wasserlinie gelegen. Das konnte ja nicht funktionieren. Also raus damit!

Zuerst habe ich den 380er Getriebemotor mit Stevenrohr und dann das verklebte Zwischendeck entfernt. Durch die beiden relativ kleinen Decksöffnungen war das nicht so einfach, aber Dremel und Cuttermesser und zum Schluss auch rohe Gewalt haben den Job dann getan. Dabei ist aufgefallen, daß der Rumpf selbst sehr robust ist. Das lässt hoffen.

Vorne und hinten habe ich je ein kleines Stück vom Zwischendeck gelassen. Hinten kann dann das Lenkservo und vorne vielleicht der Empfänger seinen Platz finden.

Als Motorisierung habe ich mich für einen "Kestral II" von Deans Marine entschieden, den ich ohne das zuvor eingebaute Getriebe an das Stevenrohr mit Öler und das doppelte Kardangelenk aus gleichem Hause angeschlossen habe. Hierfür habe ich eine Stevenrohrabstützung und einen Motorhalter aus Holz hergestellt.

In den Kielbereich werde ich Bleikugeln einharzen. Im tiefsten Bereich des Bootes, deutlich unterhalb der Wasserlinie sollten sie dem Fahrverhalten zuträglich sein und für das nötige Gewicht sorgen.

14.11.10 - weiter geht's:

Das Wetter draussen ist ja gerade sehr "modellbaufreundlich". Also habe ich mal wieder ein bischen weitergemacht.

Habe ermittelt, daß das Boot noch ca. 1200g Zuladung vertragen kann. 930g habe ich in Bleikugeln in den Rumpf gegeben und eingeharzt. Ist zwar auf den ersten Blick jetzt kaum zu erkennen, ob Wasser im Boot ist, oder ob es sich um das Harz handelt. Aber ich plane ja eh, daß das Boot innen trocken bleibt.

Als Regler habe ich einen LRP Quantum Reverse aus meiner RC-Car Grabbelkiste verwendet. Der verträgt bis zu 8,4V und da das Boot mit Lipo-Akkus betrieben wird, passt das. Der Regler hat keine Lipo-Abschaltung. Da wird dann ein Lipo-Warnlicht von Jamara installiert.

Das Lenkservo ist ein altes Robbe 9301. Der nur 6g leichte Empfänger meiner Planet T5-Anlage klebt relativ weit oben an der Bordwand.

Da die Aufbauten mir wie erwähnt so nicht gefallen, werde ich komplett neue bauen. Ich habe aus Pappe mal schnell einen groben Entwurf geschnitzt.


Ich bin eher der praktische Typ und nicht so der lange Planer und Zeichner. Ich kann's mir so in der 3-dimensionalen Form immer irgendwie besser vorstellen.
Wird noch Anpassungen am oberen Bereich geben. Aber so ungefähr soll's aussehen. Die Aufbauten werden aus ABS oder Polystyrol gebaut.


16. / 17. April 11 - endlich mal wieder ein wenig am "Charly" weitergebaut. Nachdem der Rumpf schonmal eine erste Schicht orangene Farbe bekommen hat, geht es nun an die Aufbauten. Diese entstehen nach meinem Papp-Entwurf nun aus Polystyrol. Ausgeschnitten wird das Ganze mit einer Lexan-Schere.

Da ich mit dieser Bauweise noch keinerlei Erfahrung habe, wird natürlich nicht alles gleich so wie ich mir das vorstelle. Also wird zwischendurch immer viel geschliffen. Das wird auch später noch öfters der Fall sein. Auch wenn der Spachtel ins Spiel kommt, um die nicht vorgesehenen Ritzen zu verdecken.

Ein paar Details sind auch schon entstanden. Man kann sehen - es geht weiter. So langsam nimmt die Sache Formen an.



22.April.
Charly hat jetzt Riffelblechboden auf dem Vordeck und einen Poller zum festmachen.

im hinteren Bereich wird die Reling nach innen gezogen. So habe ich das bei den großen Vorbildern gesehen.

07.05.11: Inzwischen wurde das Unterwasserschiff auch lackiert  und das Deck mit einer Gummi-Scheuerleiste umrandet.

Der 45mm 4-Blatt Messing-Propeller wurde brüniert, damit der "Neu Look" verschwindet. Der Rest vom Schiff wird natürlich später auch noch eine optische Alterung erfahren.

Mit dem Grünton der Decksfarbe bin ich noch nicht zufrieden, weil mir das eigentlich viel zu dunkel geworden ist. Ausserdem glänzt die Farbe zu stark.  Da werde ich wohl nochmal nachbessern.

13.07.2011: Es geht mal wieder langsam weiter. Nachdem mir der Grünton für's Deck so gar nicht gefiel, habe ich das Deck mit Matt-Grau (Tamiya) noch einmal gestrichen. Nun gefällt mir die Farbe und die Details verschwinden nicht mehr in dem dunklen Grün.

Der Decksaufbau wurde auch nochmal geändert. Er wird jetzt Schlepper- und festmacherbootstypisch oben 45Grad zulaufend gebaut, mit großen Fenstern zum durchschauen beim Manövrieren.

Es wird eine zu öffnende Schiebetür eingebaut, durch die man ins Innere sehen kann . Dahinter sollten evtl. auch Schalter und Ladebuchsen ihren Platz finden. Bin mir nur noch nicht sicher, ob die Tür aus Holz gebaut wird, wie bei älteren Schiffen, oder in "Aluminium", wie bei modernenen Booten.

Bevor das Dach drauf kommt, muss ich mir aber noch über den Innenausbau klar werden. Die Kajüte hat ja große Fenster, so daß man gut hineinsehen kann. Aufgrund des zu hohen serienmässigen Bodens gibt es aber keine maßstabsgetreue "Stehhöhe". Daher wird der Innenausbau evtl. nur angedeutet. Hierzu fehlen mir im Moment aber noch die Ideen und so hoffe ich auf ein paar Tips der "alten Hasen" in den Kommentaren.

Was meint Ihr dazu?

27.07.2012: Lange Zeit hab ich nichts getan, aber ich will diesen Sommer noch fertig werden. Also frisch ans Werk!

Ich habe nun den Boden der Kabine abgesenkt, damit der Skipper vernünftig drin stehen kann. Da die Inneneinrichtung noch fehlt, kann man auf dem Bild nicht allzuviel erkennen. Aber das kommt jetzt. Will ja mal irgendwann fertig werden.

Eine Schiebetür gibt es jetzt auch (Fenster darin fehlt noch) und der erste Bootshelfer hat angeheuert (haben wir in einem Souvenirgeschäft auf Fehmarn abgeworben)

Kommentare:

  1. Gibt es denn keine Chance den zu hohen Boden im Steuerhaus abzusenken ? Denn dann könnte man eine richtige Inneneinrichtung vorsehen.

    VG, Holger

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    1. Hallo Holger - genau so hab ich es jetzt gemacht.
      War zwar nochmal ne Menge Zusatzarbeit. Aber ich denke das war es Wert. Nach dem nächsten größeren Bauschritt kommen dann wieder neue Fotos.

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  2. Ja, die Möglichkeit würde es geben. Allerdings wäre das ne Menge Arbeit und so nicht eingeplant. Vielleicht mach ich das später mal. Vorerst werde ich sie Inneneinrichtung wohl nur im Sichtbereich darstellen.

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  3. so, der zu hohe Boden in der Kajüte ist raus. Wie Meckiweb vorschlägt, werde ich den Boden nun absenken um eine richtige Inneneinrichtung reinzubauen, denn durch die großen Fensterflächen kann man ja gut hineinsehen.

    Das macht zwar ne Menge zusätzlicher Arbeit, aber die ist es sicher wert.

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  4. Hallo Jörg!
    Ich habe deinen Baubericht gelesen und nun würde mich interessieren,ob deine Veränderungen das Fahrverhalten des Bootes positiv beeinflussen?
    Da ich auch so ein Modell besitze würde ich deine Idee gern aufgreifen,um ein ordentliches Fahrbild zu erreichen.
    Gruß Jens

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