Mittwoch, 27. November 2019

Race Control System 64 - Software für Scalextric Digital Vorstellung PACECARS

Die Powerbase C7042 an meiner Bahn
Im deutschsprachigen Raum ist eine Autorennbahn für die meisten Leute gleichzusetzen mit "Carrerabahn". Die alternative Marke Scalextric kennt man vor allem im englischsprachigen Raum. Meiner Meinung nach hat Scalextric aber einige Vorteile die demnach nur wenig bekannt sind.

Neben dem geringeren Platzbedarf und dem robusteren Schienenmaterial hat man die Möglichkeit jederzeit zwischen dem Digitalsystem und analog hin und her zu schalten. Man kann also Fahrzeuge aller Marken wie Carrera, Slot.It, Ninco, SCX, NSR und allen anderen ohne Digitalchip fahren.

Der Monitor meines Renn-PC hängt an der Wand.
So richtig interessant wird es mit externer Software wie RCS64 in Verbindung mit der 6-Car Powerbase C7042 und einem speziellen Anschlusskabel um die Powerbase und den PC miteiander zu verbinden.

Die Software ist schon einige Jahre auf dem Markt und managed komplette Rennen oder auch ganze Rennserien und verwaltet Euren Fuhrpark. Es ermöglicht in den Rennen auch Faktoren wie Reifenverschleiss, Schäden, Wetter und Spritverbrauch einzubringen. Das geht bei Carrera (ebenfalls mit externer Software) auch. Daher möchte ich hier vor allem die hervorragende Pacecar-Funktion vorstellen die es so nur mit Scalextric gibt.

Bei Carrera fahren die Pace Cars mit einer einstellbaren aber gleichbleibenden Geschwindigkeit, die man natürlich so wählt, daß die Autos die langsamsten Kurven sicher meistern ohne rauszufliegen. Auf den Geraden fahren die Fahrzeuge dann natürlich mit der gleichen langsamen Geschwindigkeit, was einen nur so bedingt kickt. 😴

Bei RCS64 könnte man das zwar genauso machen, aber viel spannender wird es wenn die bis zu 5 Pace Cars auf der Geraden richtig Gas geben und vor den Kurven verlangsamen oder bremsen um dann wieder herzhaft aus der Kurve herausbeschleunigen. Auf Wunsch wechseln die Pacecars auch die Fahrspur oder fahren an die Box. Nur so werden es ernsthafte Gegner! Natürlich kann man jedes Pace Car unterschiedlich programmieren und jedes meiner digitalen Fahrzeuge kann zu einem Pacecar werden.

Um ein Pacecar zu programmieren gibt es zwei Möglichkeiten: Ohne Controller und mit Controller. Hier erkläre ich wie das funktioniert:

1. Programmierung ohne Controller: Zunächst bestimmt man die Geschwindigkeit mit der das Pacecar automatisch mehrere Runden fahren kann ohne abzufliegen. Dann kann man anschließend mit der Maus die Gaskurve nach oben (Auto wird schneller) oder nach unten schieben (Auto verlangsamt).

Sieht komplizierter aus als es ist:
Unten im Bild eine typische Gaskurve.
Die roten Teilstriche markieren einen Sektor.
Ein Beispiel:
Wenn ein Auto mit der Ausgangsgeschwindigkeit beispielsweise immer 9,5 Sekunden für eine Runde benötigt und es z.B. nach 2,5 Sekunden an der ersten Haarnadel ankommt, kann man das Auto genau an diesem Punkt verlangsamen oder sogar bremsen lassen. Das geschieht, indem ich dort einen "Sektor" einfüge. Eine halbe Sekunde später ist die Kurve durchfahren und dort schiebt man die Gaskurve wieder nach oben um zu beschleunigen. So geht man nun mit jedem Streckenteil vor den man verändern möchte. Wenn man möchte, fügt man an der passenden Stelle kurz vor dem Überfahren einer Weiche einen Spurwechselimpuls ein. Dann funktioniert auch das völlig problemlos.

Die Runde kann man dann auf der sehr guten grafischen Darstellung gut beobachten. Da wo etwas passieren soll (Bremsen, Gas geben, Spurwechseln etc.) habe ich jeweils "Sektoren" eingefügt. Nun kann ich sehen wie das Programm Runde für Runde abgespult wird. Bei jeder Zieldurchfahrt beginnt die Kurve von neuem. Die Abweichungen von Runde zu Runde sind sehr gering. (auf meiner Bahn normalerweise ca. plusminus 3 Zehntel). Man kann später wählen, ob stärkere Abweichungen durch Verschleiss der Reifen oder Schleifer automatisch ausgeglichen werden sollen, oder nicht.

Für mich ist es zu einem Sport geworden, die verschiedenen Pacecars (mit oder ohne Magnet) zu programmieren und die Programmierung immer weiter zu verbessern um die Rundenzeiten zu optimieren.

Ihr könnt es glauben oder nicht - das macht fast genauso viel Spaß wie selber zu fahren! Selber fahren ist das Stichwort daß uns zu Programmiermöglichkeit 2 bringt.

2. Programmierung mit Controller: Der Unterschied zu Methode 1 ist, daß ich nun selber das Fahrzeug mit dem Controller fahre, so wie ich es gewohnt bin. Vielleicht nicht so sehr am möglichen Limit, denn ich will ja daß das Pacecar später sicher um den Kurs kommt. Bis zu 10 solcher Runden werden dann vom Programm aufgezeichnet. Auf der aufgezeichneten Gaskurve sehe ich dann genau, wo ich Gas gegeben habe und wo nicht, etc.

Die selbstgefahrene Gaskurve sieht etwas "runder" aus
Bevor ich die Einstellungen abspeichere kann ich sie ausführlich testen und bei Bedarf auch hier wieder manuell verändern. Zum Beispiel wenn ich in einer Kurve doch etwas zu schnell war und das Fahrzeug hier zu viel geschleudert ist. Wie gesagt - mein Pacecar soll ja später "sicher" fahren.

Nachdem ich eine Runde fertig programmiert habe - ganz gleich mit welcher Methode - kann ich diese wieder und wieder abspulen lassen. Auf meiner relativ kurzen Bahn (knapp über 16m) habe ich einen erfolgreichen Test mit 4 autonom fahrenden Pacecars über 1000 Runden (!) gefahren. 2 Pacecars mit Spurwechseln, 2 Pacecars ohne - auf jeder Spur eines. Der Test lief absolut zuverlässig und problemlos ab. Kann ich stundenlang bei zusehen... 😁

Später habe ich die gleiche Runde nochmal über 250 Runden mit mir selber am Regler gegen 4 Pacecars gefahren. Ich kann Euch sagen - da ist ganz schön was los auf so einer kleinen Bahn. 😜

Auch nach diesem Test kann ich sagen: Der Computer macht keine Fehler. Die mache ich dann selber wenn ich beim Versuch die Pace Cars auszutricksen zu weit gegangen bin. 🙈

So habe ich - als typischer Alleine-Fahrer - bis zu 5 echte Gegner mit denen ich mich in den Rennen balgen kann. Da wird auch die Spurwechseltaste ordentlich gebraucht.

Oder ich erschaffe immer wieder neue Computergegner, was durch die verschiedenen Modelle nie langweilig wird, weil sich jedes Fahrzeug anders verhält und die Programmierung immer unterschiedlich ist.

Die Möglichkeiten einer digitalen Rennbahn sind also sehr vielfältig wie man sieht. Schade daß das Scalextric Digitalsystem im Vergleich zu Carrera in Deutschland so wenig bekannt ist. Eigentlich unverständlich wenn man weiß was damit alles möglich ist.

Was ihr genau braucht um so ein System nachzubauen habe ich oben bereits verlinkt. Aber der Übersichtlichkeit nochmal zusammengefasst.

Das Scalextric-Bahnsystem bekommt Ihr natürlich hierzulande in den unterschiedlichsten Zusammenstellungen. Vieles auch gebraucht zu recht günstigen Preisen.
Aber Vorsicht: Als digitales Komplettset bekommt Ihr nur noch das neue ARC Pro System, was ich HIER bereits ausführlich getestet habe. Da gibts dann andere, App-basierte Software. Einfach den Test lesen.

Achtet darauf entweder ein Set mit der "Advanced 6-Car Powerbase" zu bekommen, oder erweitert Euer bestehendes Set mit der separaten Powerbase C7042.

Scalextric advanced 6-Car Powervase C7042

RCS64 Software - Homepage mit Download (kostenpflichtig, z.Zt. € 30,00)

Verbindungskabel USB zu Powerbase C7042 von RikoRocket England (ca. GBP 36,00)

Der von mir verwendete PC ist übrigens eine ziemlich alte Mühle die ich aus Resten zusammengesteckt habe. Die Anforderungen sind wirklich minimal.

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